Mein Heimatdorf SPAATZ

Der Verfasser heisst Guido Quadfasel. Geboren am 16.07.1963 in Kyritz, ist er wohnhaft im Ortsteil Spaatz der Gemeinde Havelaue im Ländchen Rhinow. Er ist gelernter Bankkaufmann sowie Diplom-Betriebswirt. Schon seit frühester Jugend interessiert er sich für Geschichte, Heimatkunde und Archäologie. Seine Ausführungen basieren, neben anderer Recherchen, auf Materialsichtungen in den Ortschroniken des Archives des Amtes Rhinow seit ca. Anfang der 2000er Jahre. Für den wissenschaftlichen Wahrheitsgehalt kann der Verfasser somit nicht bürgen.

 
Vermutlich siedelten in der Umgebung von Spaatz im 5. Jh. germanische Semnonen und Langobarden. Bis in die frühromanische Zeit hinein, war der slawische Unterstamm der Wenden, die Heveller, ansässig. Von dem Wort „Heveller“ soll der Flussname „Havel“ abgeleitet worden sein. Wissenschaftliche Untersuchungen verweisen aber die Namensgebung des Flusses bereits in die germanische Periode. Mit Beginn der Christianisierung unter Kaiser Otto I. im 10.Jh. wurden die Slawen durch deutsche Ritter, meistens nach kriegerischen Auseinandersetzungen, in östlichere Gebiete verdrängt.

Durch den Bau der Feldsteinkirche in der Dorfmitte, wahrscheinlich Anfang des 13. Jh., bekam der Ort als Straßenangerdorf sein bis heute noch typisches Aussehen. Im Jahre 1245 wurde der Ort mit „Tydericus de Spadiz“ (ein in Spaatz ansässiger Dietrich?) erstmals schriftlich erwähnt. Alten Quellen zufolge soll der Ortsname "Spaatz" übersetzt „der Vogel“ bedeuten. Ob der in jüngerer Vergangenheit bis in unserer heutigen Zeit dargestellte Storch im Ortswappen gemeint wurde, ist nicht überliefert. Eher soll "Spaatz" übersetzt "Dorf auf einer Anhöhe" bedeuten. 1441 wurde durch eine Lehnsbestätigung des Kurfürsten Friedrich II. für die Herren von der Hagen der Ort „Spaczow“ aufgeführt. Im 18.Jh. wandelte sich der Ortsname endgültig in „Spaatz“. Bereits Ende des 15. Jh. zerfiel der Ort nach neuen Besitzrechten in drei Teile (von der Hagen; von Wuthenow; von Rauchhaupt bzw. von Bornstedt auf Hohennauen). Das Spaatzer Rittergut befand sich in der Nähe des Dorfzentrums. Dieses Gut war aber kaum von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

Bis zum 30-jährigen Krieg (1618-48) befand sich ca. 2 km westlich von Spaatz das Wendendorf „Wetzlin“, welches von den durchziehenden Schweden völlig zerstört wurde. Um 1700 und um 1800 wurde Spaatz durch Großbrände sehr stark heimgesucht. In allen Zeiten, bis Anfang des 20.Jh., hatten die Einheimischen durch Elbe- und Havelhochwasser ständig gegen verheerende Überschwemmungen anzukämpfen. Im Jahre 1566 stieg das Wasser so hoch, dass die gesamte Spaatzer Bevölkerung flüchten musste und sich 4 Wochen lang in einem Feldlager unterbrachte.

Um 1800 zählte das Dorf 15 Bauern- und 8 Kossäthengüter. 1840 hatte der Ort 44 Wohnhäuser. Die meisten der sichtbaren großen Bauerngehöfte (sog. Vierseitenhöfe) entlang der Spaatzer Hauptstrasse erhielten etwa zwischen 1890 bis 1920 ihr heutiges Aussehen. Durch den Anschluss des Dorfes an die Eisenbahn entstanden entlang der Nebenstraßen nach 1904 weitere An- und Ausbauten .
Heute leben in den Ort ca. 400 Einwohner.  

Spaatzer Kirche
Herzlich willkommen 
Die hiesige evangelische Dorfkirche gehört zu den interessantesten und ältesten Baudenkmalen im Ländchen Rhinow und steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Es gibt keine eindeutigen Überlieferungen, wann und von wem die Spaatzer Kirche gegründet bzw. erbaut wurde.
 

Vermutlich entstand sie in der Mitte des 13. Jahrhunderts nach der Einwanderung deutscher Siedler und der Verdrängung restlicher slawischer Stämme. Dafür spricht die frühgotische massive Bauweise aus Feldsteine, welche sog. Findlinge der letzten großen Eiszeit sind. Die Kirche in ihrer dreischiffigen nach Osten weisenden Gesamtlage wurde analog nach alten und noch heute gültigen Ritualen zur Totenbeisetzung errichtet. Der Turm zeigt wie der Kopf des Verstorbenen nach Westen, das Kirchenschiff wie die Füße nach Osten. Die meisten Kirchen in Deutschland stellen deshalb eine gute Orientierungshilfe zur Bestimmung der Himmelsrichtungen dar. Die Länge der Kirche beträgt etwa 20 m die Breite ca. 10 m und die Höhe auch etwa 20 m. Die Grundmauern aus besagtem Feldstein sind ca. 1 m dick.

Einer Sage nach, sind einmal Riesen (deutscher Ritteradel ?) unsere Gegend gekommen, die sich über die kleinen Einheimischen (wendische Slawen ?) in Spaatz lustig machten. Die Riesen nahmen darauf hin die kleinen Leute in ihre Schürzen und trugen sich diese gegenseitig zu, um ihre Freude daran zu haben. Einige Zeit nach der Einwanderung der Riesen erwiesen sie den Einwohnern die Gunst zum Bau einer Kirche. 
Bis zur Einführung der protestantischen Kirchenreform war die Kirche im Besitz von katholischen Obrigkeiten. Von evangelischen Pfarrern berichten die Chroniken ab 1566. Von diesem Zeitpunkt an war die Spaatzer Kirche als Hauptkirche für die umliegenden Dörfer bekannt gewesen. Die dafür zuständigen Pfarrer hatten bis Mitte der 1970er Jahre auch ihren Wohnsitz in Spaatz. Das ehemalige Pfarrhaus befindet sich ca. 100 m nördlich von der Kirche. 
Der Kirchturm (20 m hoch) wurde 1706 nach einem Brand mit Ziegelfachwerk neu versehen. Es ist anzunehmen, dass bis zu diesem Brand auch der Turm aus massiven Feldsteinen bestand. Durch einen Blitzschlag im Jahr 1750 bekam der Turm nochmals eine neue Spitze, versehen mit einer Wetterfahne aus dem Jahr 1767. An südlicher Seite der Kirche wurde 1730 ein Leichen- bzw. Sargaufbewahrungshäuschen angebaut.
Von 1999 – 2000 wurde der Turm mit einem Kostenumfang von 262 TDM rekonstruiert. Die jetzige Wetterfahne trägt die Zahl 2000 als Inschrift. Im Turm befanden sich ursprünglich 3 Kupferglocken. Die kleine und die große Glocke stammten vermutlich aus der Zeit zwischen 1530 und 1560. Die große Bassglocke wurde 1705 nochmals umgegossen. Die mittlere Glocke war aus dem Jahr 1777 datiert. Auf den Glocken waren mehrere Abbildungen und Inschriften zu sehen gewesen, u.a. auf der mittleren über die Adelsfamilie von der Hagen, die jahrhunderte lang das Kirchenpatronat in Spaatz inne hatten. Die Glocken wurden 1917, da es dem damaligen kriegführenden deutschen Kaiserreich an Rohstoffen mangelte, durch Stahlgussglocken ersetzt. Die große Glocke trägt heute noch die Inschrift “Gottes Wort bleibt in Ewigkeit“. 
Der Altar stammt aus dem Jahr 1647 und gehört mit zu den schönsten im Land Brandenburg. Auf der Vorderseite besteht der Altar aus drei Ölgemälden auf Holz. Das obere Gemälde weist auf die Darstellung über die Verklärung Christi hin. Im mittleren Bild ist die Kreuzigung Christi und im Hauptbild das heilige Abendmahl zu sehen. Interessant dabei ist, dass die dargestellten Jünger des Abendmahles Selbstportraits von Angehörigen verschiedener Linien der Adelsfamilie von der Hagen sein sollen.  
1746 hat ein ortsansässiger Zimmermann, dem nach den Überlieferungen in einer fiebrig verwirrter Nacht der Heilland oder ein Engel erschienen sein soll, hat der Kirche die noch heute vorhandenen Sitzbänke geschenkt. An der Nordwand des Kirchenschiffes befindet sich ein polygoner Kanzelkorb aus dem 17. Jahrhundert mit einem darüber angebrachten Schalldeckel. Die letzte umfassende Aufarbeitung des Altars, der Kanzel und der Sitzbänke, insbesondere durch Malerarbeiten, war 1957. 
Die Orgel mit 7 Registern bzw. Pfeifenanordnungen, einem Pedal und einer Calcantenglocke wurde 1878 für 570 Reichstaler vom einem Orgelmeister Lütkemüller aus Wittstock/Dosse gebaut und ist, nach Einbau eines elektrischen Geblässes, noch heute bespielbar. Eine kleine rechts neben dem Altar befindliche Orgel stammt vom Ende des 19. Jh.. Diese war lange Zeit ein Inventar des Pfarrhauses und ist ebenfalls noch bespielbar.  
Wie bei vielen Kirchen in unserer Gegend typisch, so sind auch in und bei der Spaatzer Kirche Gedenktafeln und -steine zu Ehren der Opfer von Kriegen zu sehen. Innerhalb befinden sich Tafeln, die auf die napoleonischen Befreiungskriege und dem 2. Weltkrieg hinweisen. Außerhalb steht ein Granitgedenkstein auf einem Sandsteinsockel für die Vermissten und Gefallenen des 1. Weltkrieges.  
Der Friedhof, anfangs um die Kirche in Kreisform angelegt, ist wahrscheinlich schon so alt wie die Kirche selbst. 1850 wurde er in östlicher Richtung vergrößert und 1870 mit einer Rot-Klinkermauer versehen. Vorher umfassten Holzzäune den Friedhof. Die größeren Bauern hatten auf dem Friedhof mit Eisengitterzäunen oder rechteckigen Heckenanpflanzungen versehene Erbgrabstellen. Später, insbesondere nach der Erweiterung, kamen Reihengrabstellen hinzu.
Eine Friedensseiche wurde nach dem deutsch–französischen Krieg 1870/71 und zum Andenken der Gründung des deutschen Kaiserreiches am östlichen Ende des Friedhofs gepflanzt, welche noch heute steht.

Schulwesen in Spaatz
Die Chroniken berichten erstmals im Jahr 1566 von einem im Dorf ansässigen evangelischen Pfarrer. Ob schon zu diesem Zeitpunkt eine Schule bestand, ist nicht überliefert. Vermutlich wurde nur Kindern reicher Bauern Privatunterricht gegeben. Ab 1690 wird erstmals von einem Küster und Lehrer mit Namen Peter Klinkau berichtet.
Das erste Schulgebäude stand auf dem ersten rechten Grundstück der heutigen Rhinower Straße. Diese Straße wurde zur damaligen Zeit auch “Köststeige“ (Köst = Küster) genannt. Das Schulhaus war dort bis zum Jahr 1828 vorhanden. Da es schon damals zu klein war, wurde im gleichen Jahr ein neues Schulgebäude, heute Hauptstraße 17, gegenüber der Gaststätte errichtet, so wie es noch heute in seiner Bauanlage zu sehen ist. In dem Gebäude befanden sich ein großes Klassenzimmer und die Wohnung des Lehrers. Die Hauswände waren ursprünglich aus Lehm und das Dach mit Schilfrohr bedeckt. Am 30. Mai 1872 brannte die Schule bis auf die Grundmauern ab. Danach wurde es mit Klinkersteinen massiver errichtet.
Die Kinder des Dorfes besuchten die Schule - anders wie heute - nur in den Herbst- und Wintermonaten, da sie im Frühjahr und Sommer auf den Feldern ihrer Familien mitarbeiten mussten. Diese Unterrichtsform nannte man auch Saisonschule und war teilweise bis Ende der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts auf den Dörfern üblich. Da es nur ein Klassenzimmer gab, waren alle Schulkinder von 6 bis 14 Jahre beim Unterricht zusammen, also die Klassen 1 – 8. Auch der Verfasser erlebte seine ersten 3 Schuljahre zwischen 1970 und 1973 wie folgt: die 1. Klasse hatte das Fach Lesen, die 2. Klasse Rechnen und die 3. Klasse Heimatkunde - und das alles in einem Raum zur gleichen Zeit mit einem Lehrer ! Schulferien gab es erst mit der Einführung des ganzjährigen Unterrichtes Anfang 1960/61.
Viele Jahrhunderte bekam der Lehrer sein Verdienst in Form von Naturalien durch die Bauern ausbezahlt, z.B. Fleisch, Eier, Holz zum Heizen, Getreide usw. Im 19. Jahrhundert wurde dann das Schulgeld eingeführt, welches die Bauern schulfähiger Kinder zu entrichten hatten. Mit der Gründung der DDR 1949 wurde der Schulbesuch kostenlos und der Staat übernahm alle durch den Schulbetrieb entstandenen Kosten.
Bis 1973 war in Spaatz die Schule als so genannte Teiloberschule vorhanden und wurde auf Grund staatlicher Umstrukturierungsmaßnahmen geschlossen. Von da an gingen die Schüler nach Rhinow zur der damals moderneren Polytechnischen Oberschule „Juri Gagarin“ in der bis zu 800 Schüler von der 1. bis 10. Klasse unterrichtet wurden. Anfangs fuhren die Schüler mit der Bahn zur Schule, später wurden sie, und so ist es heute noch, mit Schulbussen befördert.
Zwischen 1965 und ca. 1985 wurden teilweise die Räume, da die Lehrerwohnung leer stand, von der Gemeindeschwester als Arztstation und vom Sportverein als Billard-Raum genutzt. Danach wurde durch Modernisierungsmaßnahmen das Gebäude Kindertagesstätte umgebaut. Seit 2001 ist das Gebäude in Privatbesitz.

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